Impuls zum 22. Februar 2026
Von Hans-Otto von Danwitz, Diözesanvorsitzender pax christi Aachen
1. Lesung: Jesus Sirach 15,15-20
Am Aschermittwoch wird uns mit Asche ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet, Symbol der Vergänglichkeit: Staub bist du und Staub wirst du wieder werden. Und wenn unser Leben vergänglich ist, gilt es, aus der uns geschenkten Lebenszeit etwas Gutes zu machen. Die 40 Tage der österlichen Bußzeit laden ein, darüber nachzudenken, wie wir unser Leben gestalten, was wir aus unserem Leben machen: im Umgang mit uns selbst, im Umgang mit anderen, im Umgang mit der Schöpfung, im Umgang mit Gott.
Die alttestamentliche Lesung zum ersten Fastensonntag ist die Geschichte von Adam und Eva im Paradies und wie sie dieses verlassen müssen:
Lesung aus dem Buch Génesis.
2, 7 Gott, der Herr, formte den Menschen,
Staub vom Erdboden,
und blies in seine Nase den Lebensatem.
So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.
8 Dann pflanzte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten
und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.
9 Gott, der Herr, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen,
begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen,
in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens
und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
3, 1 Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes,
die Gott, der Herr, gemacht hatte.
Sie sagte zu der Frau:
Hat Gott wirklich gesagt:
Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?
2 Die Frau entgegnete der Schlange:
Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;
3 nur von den Früchten des Baumes,
der in der Mitte des Gartens steht,
hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen
und daran dürft ihr nicht rühren,
sonst werdet ihr sterben.
4 Darauf sagte die Schlange zur Frau:
Nein, ihr werdet nicht sterben.
5 Gott weiß vielmehr:
Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf;
ihr werdet wie Gott
und erkennt Gut und Böse.
6 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen,
dass der Baum eine Augenweide war
und begehrenswert war, um klug zu werden.
Sie nahm von seinen Früchten und aß
sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war,
und auch er aß.
7 Da gingen beiden die Augen auf
und sie erkannten, dass sie nackt waren.
Sie hefteten Feigenblätter zusammen
und machten sich einen Schurz.
Ich fand diese Geschichte immer befremdlich. Warum soll es etwas Schlechtes sein, Gut und Böse zu erkennen? Das genau macht doch die menschliche Freiheit aus. Und das hilft doch, die uns anvertraute Welt gut zu gestalten, wenn wir diese Unterscheidungsgabe haben. Wie sehr wünschen wir das für uns in den kleinen und großen Entscheidungen des Lebens; und wie sehr wünschen wir das allen Verantwortlichen in Gesellschaft, Kirche und Politik, dass sie diese Gabe aufnehmen und gute Entscheidungen zum Wohl der Menschen und der Schöpfung treffen!
Das Evangelium des ersten Fastensonntags konkretisiert die Herausforderungen, wo unsere Entscheidung gefragt ist, auf drei Punkte:
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
In jener Zeit
1 wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt;
dort sollte er vom Teufel versucht werden.
2 Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte,
hungerte ihn.
3 Da trat der Versucher an ihn heran
und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist,
so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.
4 Er aber antwortete:
In der Schrift heißt es:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,
sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
5 Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt,
stellte ihn oben auf den Tempel
6 und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist,
so stürz dich hinab;
denn es heißt in der Schrift:
Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen,
und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen,
damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
7 Jesus antwortete ihm:
In der Schrift heißt es auch:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
8 Wieder nahm ihn der Teufel mit sich
und führte ihn auf einen sehr hohen Berg;
er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht
9 und sagte zu ihm:
Das alles will ich dir geben,
wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
10 Da sagte Jesus zu ihm:
Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht:
Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten
und ihm allein dienen.
11 Darauf ließ der Teufel von ihm ab
und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.
Es ist zum ersten die Versuchung, nur dem Materiellen hinterher zu eifern und dabei zu verpassen, was im Herzen, was im Ganzen den Menschen glücklich macht: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Die zweite Versuchung ist der Hochmut, zu meinen, dass ich alles kann. Es verstellt die Chance der Erfahrung, von anderen und von Gott getragen zu sein. Und diese Erfahrung ist doch wohltuend, in guten, aber gerade auch in schweren Zeiten.
Die dritte Versuchung ist die Machtbesessenheit, wie wir sie in diesem Tagen ja leider allzuoft erleben und die dem Leben selbst im Wege steht.
Lied: Unfriede herrscht auf der Erde
Im sogenannten „polnischen Friedenslied“ mit dem Refrain „Friede soll mit euch sein …“ heißt es in einer Strophe: „In jedem Menschen selbst herrschen Unrast und Unruh ohn Ende.“ Das ist die erste Einladung für die Fastenzeit, nämlich Frieden mit sich selbst zu finden. Die allererste Strophe lädt ein zum Frieden mit anderen, in der Fastenzeit den Blick auf die Unterdrückten und Notleidenden zu werfen und für Gerechtigkeit und Frieden einzutreten. Die dritte Strophe nimmt die Einladung des Evangeliums auf, die Beziehung zu Gott als Quelle allen Friedens neu zu beleben, wenn es heißt: Lass uns in deiner Hand finden, was du für alle verheißen.“
Ich wünsche allen, dass sie die 40 Tage der Vorbereitung auf Ostern erleben und gestalten als eine Zeit, neu zum Frieden mit sich selbst, mit anderen, mit der Schöpfung und zu Gott zu finden.